Varkesa-Hochebene

Antike Weinpressen im Gebirge Methanas

Die prähistorische Weinpresse "Varkesa" (c) Tobias Schorr
Die prähistorische Weinpresse "Varkesa" (c) Tobias Schorr

Die Hochebene Varkesa befindet sich etwas oberhalb der Kaldera Stavrolongos und sie ist recht leicht über den grünen Wanderweg von Agios Panteleimonas oder bei der Abzweigung der Bergstrasse nach Kameni Chora zu erreichen.
Diese landwirtschaftlich bis vor 20 Jahren genutzte Hochebene ist durch zwei sehr interessante, antike oder vorgeschichtliche Plätze besuchenswert.

Am nördlichen Ende der Hochebene gibt es eine auffällige, hohe Trockensteinmauer, die aus zahlreichen, antiken Bauresten besteht. An einer Stelle liegt sogar ein Felsblock mit den Resten antiker Schriftzeichen (könnte sein, dass er bei Ihrem Besuch schon von den Archäologen abgeholt wurde!). Hinter der Mauer gibt es zwei Zisternen. Die eine besteht aus antiken Säulen, die andere nur aus einem Stein mit einem Loch. Schon bevor man zu der Zisterne geht, kommt man an einer weiteren, antiken Säule vorbei und eine andere liegt an einer Mauer in der Nähe. Es sind nicht die Steinrollen, die man in jüngerer Zeit verwendet hat, um Lehmdächer nach Regen wieder dicht zu rollen, sondern es sind eindeutig Teile antiker oder vorgeschichtlicher Bauten.

Auch eine Weinpresse liegt im hinteren Bereich an einer anderen, antiken Mauer. Der Rest eines quadratischen Blocks mit zwei Löchern für eine Weinpresse liegt in der Nähe.

Geht man auf der Hochebene nach Süden, kommt man zu ein paar Kiefern. Unter ihnen findet man die Ruinen von Gebäuden und davor zwei auffällige Felsen, von denen der eine wie ein kleines Boot geformt ist. Dieser Stein gab der Hochebene ihren Namen "Varkesa" (="Boot").

Schon der deutsche Archäologe Michael DEFFNER berichtete 1912 von dieser Hochebene:

"Ungefähr 650m über dem Meere und 100m unterhalb der Spitze der Chelona liegen verschiedene Hochplateaus, die schon in uralten Zeiten menschliche Wohnungen getragen haben müssen. Denn, abgesehen von Werkzeugen aus Obsidian, welche die Bauern der umliegenden Weiler dort gefunden haben, und von den tausenden kleiner Scherben von alten Gefäßen, mit denen noch heute die Äcker besät sind, habe ich dort auch bedeutende Reste eines der ältesten Heiligtümer gefunden, von dem später noch die Rede sein wird.

Eine dieser Hochebenen heißt "Varkesa", das ist auf albanisch ein Platz, der eine Barke (Boot) hat. Eine Barke aber 2000 Fuß über dem Meere ist gar ein kurioses Ding, und namentlich, wenn man einem sagt, dass diese Barke von Stein ist.

Ich verlangte darum, zu ihr hinaufgeführt zu werden, und fand einen riesigen Trachytblock, 2,17m lang, 1,20m breit, bei der größten Höhe von 1,22m. In diesen Block ist mit unzulänglichen(?) Werkzeugen eine Rinne eingehauen, die 1,95m lang und am Ausfluss unten 0,20m, oben 0,30m breit ist. Nach der anderen Seite zu, wo sie ausgebaucht und geschlossen ist, hat sie unten eine Breite von 0,24m und oben 0,36m. Die größte Tiefe 0,30, ist an der breitesten Stelle, d.h. am Anfang, in der Mitte wird die Rinne seichter, 0,20m, und gegen Ausfluss zu wieder tiefer, 0,26m. Auf der Oberfläche des Steins ist rings um die Rinne eine seichte Vertiefung eingehauen, 0,66m im Durchmesser und ungefähr 0,22m tief. Gegen den Ausfluss zu ist eine weitere seichte Abglättung des Steines auf der einen Seite bemerkbar.

Es scheint demnach, dass die alten Bewohner Methanas diesen riesigen Trachytblock, so wie er bei einem der großen Erdbeben, welche die Halbinsel seit Jahrtausenden erschüttern, dorthin gefallen ist, mühsam bearbeitet und eine Ölpresse daraus gemacht haben, die ihnen gewiss auch als Weinpresse diente. Denn, wie heutigen Tages, so scheint schon im grauesten Altertum der Olivenbaum auf Methana gediehen zu sein, dessen Trachytboden ihm, sowie dem Mandelbaum, dem Johannisbrotbaum und dem wilden Birnbaum besonders zusagt.

Die Körbe, in denen man die Oliven oder Trauben sammelte, wurden auf die abgeflachte Stelle des Steines nahe beim Ausfluss gestellt und dann in den tieferen breiteren Teil der Rinne entleert. Dort wurden sie mit den Füßen ausgetreten. ΚΡΟΥΠΕΖΑΙ /KROUPESÄ hießen in altgriechischer Zeit die Holzschuhe, mit denen man die Oliven austrat, wie uns POLLUX VII 87 (κρουπέζια nach HESYCH) lehrt. Die Kerne und das ausgetretene Fleisch blieben ursprünglich in dem tieferen Teil der Rinne zurück, und das Öl floss, nachdem es die Steigung der Rinne in der Mitten überwunden hatte, in ein Gefäß ab."

Elias Rizos auf einer der prähistorischen Weinpressen. (c) Tobias Schorr
Elias Rizos auf einer der prähistorischen Weinpressen. (c) Tobias Schorr
Theodoris Bisias auf einer der prähistorischen Weinpressen. (c) Tobias Schorr
Theodoris Bisias auf einer der prähistorischen Weinpressen. (c) Tobias Schorr
Die prähistorischen Weinpressen, die schon 1912 Michael Deffner beschrieb. (c) Tobias Schorr
Die prähistorischen Weinpressen, die schon 1912 Michael Deffner beschrieb. (c) Tobias Schorr
Die prähistorischen Weinpressen, die schon 1912 Michael Deffner beschrieb. (c) Tobias Schorr
Die prähistorischen Weinpressen, die schon 1912 Michael Deffner beschrieb. (c) Tobias Schorr
Die prähistorischen Weinpressen. (c) Tobias Schorr
Die prähistorischen Weinpressen. (c) Tobias Schorr
Die prähistorischen Weinpressen. (c) Tobias Schorr
Die prähistorischen Weinpressen. (c) Tobias Schorr
Die bootsförmige Weinpresse, die der Hochebene den Namen "Varkesa" ("Barke") gab. (c) Tobias Schorr
Die bootsförmige Weinpresse, die der Hochebene den Namen "Varkesa" ("Barke") gab. (c) Tobias Schorr
Eine weitere Weinpresse von der Hochebene Varkesa. (c) Tobias Schorr
Eine weitere Weinpresse von der Hochebene Varkesa. (c) Tobias Schorr
Uralte Mauern, die aus den Resten eines antiken Heiligtums bestehen, das hier mal stand. (c) Tobias Schorr
Uralte Mauern, die aus den Resten eines antiken Heiligtums bestehen, das hier mal stand. (c) Tobias Schorr
Eine uralte Zisterne aus den Säulenresten des antiken Heiligtums. (c) Tobias Schorr
Eine uralte Zisterne aus den Säulenresten des antiken Heiligtums. (c) Tobias Schorr
Eine uralte Zisterne aus den Säulenresten des antiken Heiligtums. (c) Tobias Schorr
Eine uralte Zisterne aus den Säulenresten des antiken Heiligtums. (c) Tobias Schorr
Eine im Boden versteckte Zisterne. (c) Tobias Schorr
Eine im Boden versteckte Zisterne. (c) Tobias Schorr
Antike Basis für eine Öl- oder Weinpresse. (c) Tobias Schorr
Antike Basis für eine Öl- oder Weinpresse. (c) Tobias Schorr
Uralte, antike Säule. (c) Tobias Schorr
Uralte, antike Säule. (c) Tobias Schorr
Antiker Eckstein von einem Gebäude. (c) Tobias Schorr
Antiker Eckstein von einem Gebäude. (c) Tobias Schorr
Vor ein paar Jahren entdeckte ich in der Mauer einen antiken Stein, der meine Vermutungen bestätigte, dass es auf dieser Hochebene bedeutende, archäologische Reste gibt. (c) Tobias Schorr
Vor ein paar Jahren entdeckte ich in der Mauer einen antiken Stein, der meine Vermutungen bestätigte, dass es auf dieser Hochebene bedeutende, archäologische Reste gibt. (c) Tobias Schorr
Antike Schriftzeichen auf einem Stein in der Trockenmauer. (c) Tobias Schorr
Antike Schriftzeichen auf einem Stein in der Trockenmauer. (c) Tobias Schorr
Antike Schriftzeichen auf einem Stein in der Trockenmauer. (c) Tobias Schorr
Antike Schriftzeichen auf einem Stein in der Trockenmauer. (c) Tobias Schorr