DIE VULKANHALBINSEL METHANA IN GRIECHENLAND  
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Sonne, Meer, Heilbäder und Vulkane
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Methana Reisebericht v. Tobias Schorr

Wandern auf der Vulkanhalbinsel Methana

Sonne, Meer, Vulkane und antike Stätten


Endlich habe ich den Hafen von Piräus erreicht. Der Taxifahrer, der mich vom Flughafen zum Schiff bringt, blühte während der Fahrt auf, als er merkte, daß ich seine Sprache verstehe. Das ist nichts ungewöhnliches in Griechenland. Die Leute sind sehr kontaktfreudig und wollen sofort die halbe Lebensgeschichte ihres Gasts erfahren...

Deshalb freue ich mich, als ich noch rechtzeitig das Tragflügelboot erreiche, denn ich bin müde von der Reise und habe keine Lust auf noch mehr Geplauder. Gut, daß der "Flying Dolphin" so schnell ist, daß man schnell zum Ziel kommt. Inzwischen ist die Fahrt für mich schon lange Routine. Als ich noch in Methana wohnte, fuhr ich jede Woche regelmäßig zum Einkaufen nach Athen. Und da ist das Tragflügelboot die preiswerteste Fortbewegungsmethode.

Ein Zwischenstopp an der Insel Aigina und schon erscheinen die interessanten Berge meines Reiseziels. Die landschaftliche Kulisse begeistert mich bei jeder Ankunft. Da kommt auch nach Jahren keine Routine auf. In meiner Phantasie stelle ich mir die steilen Vulkandome während ihrer Aktivität vor. Daß Methana über 30 einzelne Vulkane besitzt, kennen nur wenige Insider. Zum letzten Mal war ein unterseeischer Vulkan vor der Nordwestküste Methanas im 17 Jahrhundert aktiv. Seine Lage kann man gut auf Seekarten vermuten. Berühmt ist die Halbinsel aber durch den historischen Vulkan beim Dorf Kameni. Doch dazu später mehr...

Inzwischen fährt das Tragflügelboot schon an der Thiafi-Bucht vorbei und das ist ein Zeichen für mich, daß ich schon in wenigen Minuten in Methana ankommen werde. Alles geht sehr schnell. Kein Wunder bei einer Reisegeschwindigkeit von ca. 60 km/h! Aber schon senkt sich die Spitze des "Flying Dolphin" und man merkt, wie das Boot sofort stark gebremst wird.
Am Hafenquai ist, wie so oft, wenig los. Nur der alte Jannis und Christos mit ihren Taxis warten auf Gäste, die sie auf die Dörfer fahren.

Bei mir geht alles viel schneller, denn ich gehe geradeaus zu meinem Ziel. Ein paar Jahre habe ich im Hotel Saronis gewohnt und war dort so eine Art "Hotelverwalter". Ich habe da mein Standardzimmer und die Lage des Hotels ist für mich ideal. Aber, bevor ich mich auf meinem Zimmer ausruhen kann, muß ich natürlich meinen Freunden erzählen, wie es mir in der langen Zeit in Deutschland erging. Wenn man zwei bis drei Winter zusammen verbracht hat, dann wird man fast zu einer Art "Familie". Es ist schon ein schönes Gefühl, wohin zu reisen, wo man nicht mehr fremd ist. Und daß im Hotel ein einfaches Restaurant mit echter griechischer Küche liegt, macht die Ankunft zu einem kleinen Fest für die Sinne...

Nach einer langen Mittagsruhe mache ich einen kleinen Rundgang. Ich will ja schließlich sehen, was sich seit meiner letzten Abreise alles verändert hat. Zum Glück sind die "Fortschritte" nicht sehr beeindruckend. Methana hat den Vorteil, daß man auch nach längerem Fehlen, sein altes Methana antrifft. Fortschritt braucht nicht nur in Methana lange...

Ein Spaziergang um das Inselchen Nisaki beim Fischerhafen war schon lange meine Sehnsucht... Wie viele Sommerabende habe ich dort schon verbracht... Im August konnte ich oft beobachten, wie über dem Meer langsam der Mond wie eine Orange aufstieg. Ein unvergeßliches Erlebnis! Und dann der Duft der Pinien... Methana ist eben auch etwas für romantische Seelen!

Von der Insel blickt man über den Fischerhafen direkt zu den klassizistischen Badgebäude, in dem die heilkräftigen Schwefelquellen für Heilkuren genutzt werden, denn Methana ist für seine heilkräftigen Thermalbäder berühmt.
Nach meinem Spaziergang erhole ich mich bei Nikos im Café Berlin. Da erfahre ich die Neuigkeiten von Methana. Aber es ist alles beim alten geblieben. Nikos hat früher mal in Berlin gelebt und kam durch eine Bekannte nach Methana. Sein Café ist schön klein und gemütlich und seine Musikauswahl ist auch für höhere Ansprüche gut geeignet. Im Winter saßen wir oft zusammen und bastelten kleine Modellflugzeuge zusammen. Auch heute freut er sich noch, wenn man ihm den neuesten Modell-Katalog mitbringt. Oft erschien seine Theke wie ein kleiner Flugplatz...

Die Zeit vergeht bei Nikos wie im Flug und so freue ich mich schon auf mein Zimmer und die ruhigen Nächte von Methana - Erholung pur! Nur ein paar Eulen sind zu hören.
Der nächste Morgen beginnt mit einem großartigen Sonnenaufgang über der Küste südlich von Athen. Allmählich tuckern die ersten Fischerboote ein, die ihren Fang direkt am Hafenquai vor dem Hotel verkaufen. Die ersten Kunden sind eine Schar hungriger Katzen. Ich kann in Ruhe alles von meinem Balkon beobachten. Gut, daß ich keinen Fisch für mich kaufen muß, denn der ist überall in Griechenland recht teuer.
Bevor die erste Fähre aus Piräus ankommt, suche ich mir ein Taxi und lasse mich in die Berge fahren. Inzwischen kann man sich so den Aufstieg auf der steilen Asphaltstrasse ersparen. Besonders, wenn die Sonne wie heute brennt, lohnt es sich, den Anfang der Tour zu sparen. schließlich liegen meine Ziele alle über 500 m Seehöhe.

Christos Dritsas, der Taxifahrer, kommt zu erst auf die Throni-Hochebene, fährt an dem kleinen, antiken Wachturm vorbei und schon schraubt sich sein neuer Mercedes den Berg hinauf. Bald kommen wir an eine Abzweigung. Dort steige ich aus. Endlich wieder in Methanas Bergen! Über einen holprigen Fahrweg steige ich bergauf und erreiche bald die Panteleimonas-Kapelle. Es ist so Brauch, daß man in einer Kapelle die Öllämpchen anmacht, oder Olivenöl nachfüllt. Also putze ich ein paar Lämpchen, stecke einen neuen Docht rein und zünde die Lampen wieder an. Eigentlich ein netter Brauch, denke ich mir. In den Kapellen findet man Schutz vor dem seltenen Unwetter und manchmal liegt sogar eine Flasche mit frischem Trinkwasser herum. Auch, wenn die Kapelle durch Modernisierungsversuche etwas Zement abbekommen hat, so ist sie alleine durch ihre Lage und die herrliche Aussicht auf Methana, weiterhin besuchenswert.

Nach der kurzen Pause mache ich ein paar Fotos und ein paar Meter oberhalb der Kapelle schaue ich schnell zu den Resten einer antiken Öl- oder Weinpresse, die ich vor ein paar Jahren ein bißchen vom Unkraut befreite. Die ganze Gegend muß voll mit antiken Resten sein... Aber bis jetzt hat es hier in den Bergen noch keine systematischen Ausgrabungen gegeben.

Von weitem höre ich schon die Glocken von Bergziegen und ich weiß, daß es nur noch ein paar Meter bis zu meinen Freunden Matina und Vangelis ist. Von weitem sehe ich schon, daß das Geländemotorrad von Vangelis vor dem kleinen Häuschen steht, in dem die beiden wohnen. Sie sind die einzigen in ihrer Alterstufe, die den Mut hatten, hier in den Bergen dauerhaft zu wohnen. Das ist auch gar nicht so schlecht. Denn Vangelis hat rund 200 wertvolle Bergziegen, die den beiden ein relativ freies und unabhängiges Leben ermöglichen. Und das in landschaftlich schönster Lage! Von ihrem provisorischen Balkon hat man die schönste Aussicht über die Küste West-Methanas und auf die Ostküste der Peloponnes. Der Sonnenuntergang gehört zu den schönsten Griechenlands!

Matina und Vangelis empfangen mich an ihrem Kamin und natürlich werden die eigenen Erzeugnisse gleich auf einem kleinen Rost gebraten. Wir kennen uns schon seit Jahren und oft bin ich der einzige Besucher in den Bergen gewesen, denn wer verirrt sich schon hierher in die Berge? Die beiden erzählen mir von den Abenteuern mit ihrer Herde und natürlich unterhalten wir uns lange über familiäre Dinge...
Irgendwann breche ich auf, denn ich möchte auch Matinas Vater grüßen, der sein uraltes Gehöft ungefähr 700 m nördlich von den beiden hat und sein ganzes Leben Bergziegenhirte war. Auf dem Weg zu ihn treffe ich auf ein verdutztes Perlhuhn, das zwischen mir und einer steilen Felswand in Bedrängnis gekommen ist. Jetzt weiß es weder vor, noch zurück. Eine einmalige Gelegenheit für ein Foto! Es reicht gerade noch, um das geeignete Objektiv an die uralte T90 zu schrauben und das Dia zu machen und schon ist der schöne Vogel entflogen.

Auf dem Weg zum Gehöft komme ich an einer Stelle vorbei, wo zahlreiche antike Scherben, Ölmühlen und Mauern verteilt sind. Hier oben war also schon vor Jahrtausenden reichlich Leben!
Das Gehöft von Matinas Vater ist verlassen und ich nehme erst mal meinen Feldstecher und suche die Berghänge ab. Und da ist auch schon ein kleiner weißer Punkt: Eine Bergziege! Also kann Jiorgos auch nicht weit sein... Ich mache Pause und trinke erst mal aus der Zisterne, denn Jiorgos Dimitriou pflegt sie und daher habe ich keine Angst, daß das Wasser nicht genießbar sein könnte.

Jiorgos hat mich natürlich schon lange entdeckt, bevor ich überhaupt an seinem Gehöft ankam. Und so dauert es nicht lange, bis er sich mit seinem Maultier auf den Weg nach hause macht. Der kleine Punkt wird schnell größer und ich erkenne ihn. Schon von weitem grüßt er mich laut, denn es ist schon einige Zeit vergangen, seitdem wir uns zum letzten Mal gesehen haben. Er freut sich immer, wenn seine Einsamkeit durch einen Besucher unterbrochen wird.
Nachdem er sein Maultier entladen hat und die Zweige mit den frischen Erdbeerbaumblättern an seine jungen Bergziegen verfüttert hat, setzt er sich zu mir und wir tauschen unsere Neuigkeiten aus. Auch, wenn er "nur" Bergziegenhirt ist, so heißt das nicht, daß man sich mit ihm langweilt. Er kennt alle aktuellen Nachrichten und wenn man ihn über die Geschichte Methanas befragt, blüht er auf. Von ihm habe ich viele Stellen erfahren, wo man auf der Halbinsel geschichtliche Reste entdecken kann. Schon oft haben wir im Tal unterhalb seines Gehöfts zusammen Oliven geerntet. Natürlich mache ich während unserem Gespräch ein paar Portraitfotos von ihm. Er ist so ein richtiges "Original" und sein Charaktergesicht würde gut zu unseren Vorstellungen vom Hirtengott Pan passen...

Als es dunkel wird gehen wir in sein Haus und machen den Kamin an. Schnell wird es gemütlich warm und Jiorgos bietet mir stolz ein Stück vom selbstgemachten Käse an. So ein Aroma hat der Käse im Supermarkt nicht! Dazu noch ein Glas Retsina und alles ist perfekt. Zum Glück muß ich auf dem Rückweg nur bergab laufen...

Der Abstieg über die kleine Strasse, auf der ich mit dem Taxi fuhr, ist schnell erledigt. Ich bin ganz froh, daß ich nicht bis spät am Abend bei Jiorgos geblieben bin, denn im Frühling kann es abends schon noch recht kühl werden.
Schnell schau ich noch bei meiner englischen Freundin Heather im Dorf Dritseiika vorbei, die in ihrem Haus mit einigen Katzen und ihrer Hündin lebt.

Eine meiner Lieblingswanderungen beginnt im Nordwesten der Halbinsel Methana. Das kleine Bauerndorf Kameni Chora liegt in einem Tälchen zwischen mehreren Vulkanen. 1986 besuchte ich Kameni Chora zum ersten Mal. Auch diesmal treffe ich wieder die alte Bäuerin, die mich bei meinem ersten Besuch gastfreundlich mit Trinkwasser versorgte. Inzwischen kommt sie leider nur noch am Wochenende nach Methana. seitdem ihr Mann vorletztes Jahr starb. Nun wohnt sie bei ihren Kindern in Piräus. Trotzdem hält sie das kleine Bauernhaus im Zentrum von Kameni Chora in Schuß. Der Hof ist jedes Jahr mit einer großen, weißen Blume bemalt. Vor ein paar Jahren habe ich den Hof fotografiert und seitdem ist er auf einer Postkarte verewigt.

Neben dem Bauernhaus beginnt der Weg, der mich später in das Zentrum des Vulkans führen wird. Zuerst gehe ich durch kleine Gärten und Felder, die durch kunstvoll, errichtete Steinmauern umzäunt sind. Dazwischen wachsen uralte Olivenbäume, Mandelbäume und Feigenbäume. Das kleine Tal hat eine phantastische Akustik: Wenn im Dorf ein Hahn schreit, dann gibt es sogar ein kleines Echo. Der steinige Weg erfordert etwas Vorsicht, denn leicht kann man auf einem Stein ausrutschen und sich etwas verstauchen. Aber man wird auf Schritt und tritt für die Mühen belohnt! Überall blüht es und der Duft, der an den Steinmauern wachsenden Origano-Büschen ist nicht zu beschreiben!
Bald komme ich an den Fuß des schroffen Vulkandoms, wo ein altes Blechschild auf den Weg in den Vulkan hinweist. Vor ein paar Jahren bin ich hier mit meinem Schweizer Freund Lorenz Hurni hier geradeaus weiter gewandert. Da konnte man noch einen Pfad erkennen, der zum Dorf Kato Mouska führte. Heute ist er total zugewachsen.

Aber zum Glück will ich ja zum Vulkan. Der Weg führt nun in ein paar Kehren durch einen kleinen Kiefernwald. 1999 habe ich den Weg mit ein paar Freunden etwas aufgeräumt, damit man nicht mehr über umgefallene Baumstämme klettern muß. Somit ist der Aufstieg zum Kraterzentrum kein Problem. Auf der erkalteten Lava haben sich Farne und Alpenveilchen ausgebreitet.
Es dauert nicht lange und ich bin im oberen Teil angelangt. Hier stehe ich direkt in einem Lavafeld. Seltsam geformte Felsen erinnern teilweise an Gesichter oder Phantasiefiguren. Es ist aber keine Mondlandschaft, wie man sie normalerweise von Vulkanen gewohnt ist. Hier wachsen Pistazienbüsche, Lorbeerbäume, Eichen und Erdbeerbaumbüsche. Ich steige weiter auf, denn ich möchte zu den gigantischen Felsblöcken im höchsten Bereich des Vulkans kommen.

Dort treffe ich zu erst auf eine eindrucksvolle Höhle. Sie entstand, als sich die riesigen Massen, heißen Gesteins abkühlten. Dabei gab es große Spannungen und Risse im Gestein. Fälschlicherweise nennen die Einheimischen diese Höhle den "Krater". Aber den findet man erst, wenn man noch etwas weiter aufsteigt. Dann kommt man in ein kleines Tal in dessen Mitte ein großer Felsen steht, aus dessen kleinen Rissen Kiefern wachsen. Wo sie noch Erde zum Leben finden, bleibt ein Rätsel... Geht man noch etwas weiter, dann blickt man auf ein kleines Tal, das mit einem dichten Dschungel bewachsen ist. Dies ist der eigentliche Krater. Ich klettere hinunter, aber sehr weit komme ich unten nicht. Der Bewuchs ist einfach zu dicht und ich will ja noch weiter...

Der Vulkan von Kameni Chora war um das Jahr 240 v. Chr. aktiv und er muß großen Eindruck auf die Bewohner Methanas gemacht haben. Der berühmte, römische Reiseschriftsteller Pausanias erwähnte den Vulkanausbruch im Zusammenhang mit heißen Quellen und auch Ovid und Strabon beschrieben den Vulkan. Man muß sich die Eruption so vorstellen, daß es zuerst Erdbeben gab. Dann gab es Risse und ein dickflüssiger Lavabrei wurde aus dem Erdinneren an die Oberfläche gedrückt. Es baute sich ein Dom von ca. 412 m auf. Die Struktur könnte man mit einer Blase im Brei vergleichen. Sie brach an verschiedenen Stellen auf und verschiedene Lavaströme flossen zum Meer. Am Ende der Aktivitäten brach diese Blase in sich zusammen und es entstand ein "Pseudokrater". Heute gilt dieser Vulkan als erloschen.

1991 traf ich durch Zufall Lorenz Hurni, der für die ETH-Zürich eine neue Landkarte von Methana machte und wir machten viele Methana-Wanderungen zusammen. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, an die neuesten, geologischen Informationen über Methana zu kommen.

Der Vulkan von Kameni Chora gehört bis heute zu unseren Lieblingszielen. Die neue geologische und die topographische Karte Methanas sind übrigens die ideale Basis für Methana-Wanderungen, denn wir haben besonderen Wert darauf gelegt, jeden Wanderweg einzutragen.

Nachdem ich genug neue Dias gemacht habe, steige ich langsam wieder bergab, denn meine Wanderung ist für heute natürlich noch nicht beendet und so langsam läßt sich mein Magenknurren nicht mehr überhören...
Von Kameni Chora aus wandere ich gemütlich an der wenig befahrenen Strasse weiter. Die Aussicht auf das Meer und die Peloponnesostküste ist herrlich! Zum Glück ist hier so gut wie kein Verkehr zu erwarten und man kann in Ruhe schlendern.

Nach etwa einer halben Stunde erreiche ich den Fischerhafen von Vathy. Er ist ein fast runder Naturhafen, der erst vor ein paar Jahren durch eine Hafenmauer vor den Wellen gesichert wurde. Inzwischen ist er ein "Geheimtip" für Yachtausflüge am Wochenende geworden. Es gibt hier ein paar kleine Fischtavernen und ich lasse mich heute mal bei Petroula nieder. Sie ist der Chef des Hauses und organisiert gleich einen leckeren, griechischen Bauernsalat und ein paar frische Fische dazu.
Während dem Essen schaue ich den Fischern zu, die in den kleinen Hafen einfahren. Ich bin froh, daß ich ihre Arbeit nicht mehr machen muß, denn ich lebte drei Jahre mit einer Fischerfamilie zusammen, die hier in der Nähe wohnt. Damals fuhr ich regelmäßig auch mit auf das Meer raus und arbeitete mit auf dem Kaiki.

Die Fischerei ist ein hartes Gewerbe und alles andere, als romantisch. Wir fischten hauptsächlich mit den Paragadia, der Langleine. Man muß sich vorstellen, daß an einer 1-2 km langen Nylonschnur im Abstand von 3-5 m ein Köderhaken angebracht ist. Diese Leine wird in Schlangenlinien vor der Küste ausgebracht. Meistens haben wir die Leine abends ausgelegt und am nächsten Morgen ganz früh aus dem Meer gezogen. Das Auslegen geht recht einfach, aber das Paragadi wieder aus dem Meer zu holen, ist Schwerstarbeit. Man muß mit dem Kaiki auf die Leine zufahren und gleichzeitig die Nylonschnur ins Boot ziehen. Dazu braucht man viel Kraft und die Schnur schneidet sich in die Hände. Besonders chaotisch wird es, wenn sich einer der Haken an einem Felsen verhangen hat, oder wenn ihn ein Seebarsch in seine Schutzhöhle gezogen hat. Dann muß man an der Leine einen schweren Betonring ins Wasser lassen, im Kreis um die Leine fahren und den Betonring so lange hoch- und runterziehen, bis sich die Leine aus dem Hindernis gelöst hat. Das kann oft bis zu einer Stunde dauern und man ist danach kaputt.
Was den Fischfang mit dem Paragadi teuer macht, sind auch die Köder. Je nach gewünschter Fischart, muß man frische Sardellen, Tintenfisch oder teuer importierte Seekrebse an die Haken montieren. Teilweise können die Köder bis zu 300 DM kosten! Und wenn man dann nichts fängt, wird das ganze zum Verlustgeschäft!
Im Winter wird dann meistens mit dem Schleppnetz gefischt. Das Paragadi ist aber beliebter, denn damit kann man richtig teure Fische an die Haken bekommen...

Nach meiner Stärkung im Fischerhafen, spaziere ich am Strand von Vathy entlang, grüße kurz meine Fischerfamilie und erreiche bald einen auffälligen Felshügel.
Der Hügel heißt hier "Paliokastro" (alte Burg). Auf ihm lag die Akropolis des antiken Methanas und darum herum muß der Marktplatz, die Agorá, gelegen haben. Pausanias hat sogar ein paar Statuen und Heiligtümer erwähnt. Heute entdeckt man vereinzelt noch Säulenreste und andere antike Bauteile in den Zitronengärten, die die Küste bei Vathy beherrschen.
Ich gehe bis zur kleinen Kapelle Agios Nikolaos, die sich südlich der Akropolis befindet. Sie ist uralt und vor ihrem Eingang liegt eine (römische?) Säule. Der Innenraum liegt etwas tiefer, als das übrige Niveau.
Bei der Kapelle treffe ich Jimmy, der erfolglos von der Jagd zurückkommt und aus Langeweile ein paar Blechdosen mit Schrot löchert...
Nicht nur von ihm stammen die vielen, bunten Patronenhülsen, die man fast überall findet. Eine Art "Volkssport" der griechischen Männer. Meist trifft es nur ungenießbare kleine Singvögel, oder im schlimmsten Fall sogar seltene Zugvögel.

Auf dem Zementweg neben der Kapelle wandere ich bis zur Nordseite der Akropolis, wo ich die riesige und perfekt aus dem stahlharten Vulkangestein gemeißelte Schutzmauer und das Eingangstor bewundere. Neben dem Tor erkennt man einen ehemaligen Wachturm und auf einem Pfad gelange ich auf die Gipfelhochfläche der Akropolis. Noch ist nichts ausgegraben und man findet nur die Grundmauern einer Kapelle. Am Rand entdecke ich einen perfekt gearbeiteten Rundturm. Wie die antiken Bewohner wohl diese Mauern gemeißelt haben? Ich habe vor ein paar Jahren zum Spaß mal versucht, einen Steinblock mit dem Meißel zu bearbeiten. Fast unmöglich! Das Vulkangestein ist so hart, daß man zwar einen "Bart" am Meißel bekommt, aber keine großen Veränderungen auf dem Gesteinsblock. Ich denke, daß die antiken Griechen irgendein "Geheimwerkzeug" hatten...

Bald mache ich mich auf den Heimweg. Der Aufstieg von der Akropolis zum Dorf Megalochori geht noch einmal richtig in die Waden. In Megalochori mache ich kurz Pause und besuche Frau Jeorgia, deren Mann wir ja schon am Anfang kennenlernten. Jiorgos kommt 2-3 mal in der Woche von seinem Gehöft ins Dorf runter. Irgendwann wird ihm die Einsamkeit, trotz seiner Bergziegenherde, zu groß und er muß mal unter die Leute kommen...
Jeorgia sitzt in ihrer Küche und pult Mandeln aus ihrer weichen Hülle. Das ist eine langweilige Tätigkeit, denn Mandeln haben, neben der harten Schale, am Anfang noch eine grüne Außenhülle, die man entfernen muß, bevor man die Kerne verkaufen kann. Und so freut sie sich, daß sie endlich wieder einen Gesprächspartner hat. So helfe ich eben auch ein bißchen beim Mandelputzen. Jeorgia ist den ganzen Tag am arbeiten. Sie hat einen kleinen Garten, in dem sie sich mit Gemüse versorgt, ein paar Felder bei der Akropolis und Haustiere. Ihre Kinder sind schon groß. Nur ihr Sohn Thanasis und ihre Tochter Matina wohnen noch in Methana. Katerina und ihre älteste Tochter Sotira wohnen schon seit Jahren in Athen und kommen nur noch selten nach Methana. So geht es vielen Methanern, denn die Jugendlichen finden auf Methana keine Arbeit und auch keine Freizeitmöglichkeiten. Schade, weil so die Dörfer immer einsamer werden. Die aktivsten Einwohner verlassen Methana und somit läßt eine positive Entwicklung der Halbinsel lange auf sich warten.
Die arbeitsreichste Zeit hat Jeorgia jetzt im Frühling schon hinter sich, denn im Winter ist die Olivenernte und die Familie hat nicht nur auf Methana zahlreiche Olivenbäume, die geerntet werden müssen. Ihr einfaches Haus ist zur Hälfte ein Lager für die eigenen landwirtschaftlichen Produkte.
Gegen Abend verlasse ich sie und wandere nach Methana zurück.

Agios Georgios liegt an der Ostküste Methanas und der kleine Fischerhafen ist der Ausgangspunkt für meine heutige Wanderung. Es ist eine Route, die auf fast gleichem Niveau verläuft und eine Art "Erholungswandern" nach dem gestrigen Touren ist.
Der kleine Fischerhafen Agios Georgios hat seinen Namen von der hiesigen Kirche bekommen, die auf dem, inzwischen verschönerten Hafenplatz steht. Besonders interessant ist, daß die Hafenmole ein ehemaliges Zementschiff aus der deutschen Besatzungszeit ist.

Ich wandere nun an dem kleinen Küstensträßchen in Richtung Süden. Auf dem Weg komme ich an zwei ehemaligen Windmühlen vorbei. Immer wieder halte ich, um Fotos von Orchideen und der schönen Landschaft zu machen. Wenn man über das Meer blickt, sieht man die Nachbarinsel Aigina und in der Ferne kann man Athen im Dunst vermuten. Nach etwa einer Stunde erreiche ich einen auffälligen Tafelberg. Er ist mein erstes Besichtigungsziel. Schon bei meinem ersten Besuch 1986 fiel mir der Hügel auf. Ein idealer Platz für antike Reste...
Also gehe ich über die Felder mal wieder in Richtung Gipfel. Überall sind antike und sogar vereinzelt mykenische Scherben über die Äcker verteilt und als ich auf einigen Terrassen am Berghang hinaufklettere, sehe ich bald, daß in die Steinmauern antike Mauerreste verbaut sind. Oben auf der Gipfelterrasse gibt es ein auffälliges Gebäude, das angeblich ein antiker Wachturm gewesen sein soll. Hier soll früher sogar eine Schildkröte aus Silber gefunden worden sein. Ich könnte mir gut vorstellen, daß das Gebäude ein Tempel gewesen ist, denn es liegen sogar zwei Säulenreste in der Nähe. Falls man hier irgendwann einmal systematisch ausgraben sollte, wird man sicher nicht ohne Funde ausgehen. Aber wo soll man in Griechenland zu erst graben? Überall gibt es interessante, antike und vorgeschichtliche Reste und der Staat gibt leider nicht genug Geld für Kultur aus.

Bald verlasse ich die Akropolis Oga und wandere weiter in Richtung Methana. Der Weg zieht sich etwas in die Länge, aber bei so einem schönen Frühlingstag wie heute, ist es unwichtig, wann man nach hause kommt...
Bevor ich wieder in die Kurstadt Methana komme, möchte ich aber noch ein Blick auf die mykenischen Ausgrabungen bei der Kapelle Agios Konstantinos werfen. 1990 hat man hier versucht, die kleine, unbedeutende Kapelle zu modernisieren und als man mit einem Bulldozer eine Trockenmauer niederreißen wollte, kam ein wertvolles, vorgeschichtliches Opfergefäß zum Vorschein. Seitdem ist Methana auch in der archäologischen Fachwelt ein Begriff. Die Ausgrabungen brachten eines der interessantesten Heiligtümer aus der Zeit um 1400 v. Chr. ans Tageslicht! In einem Raum wurden mehr als 150 Tonidole entdeckt, die vielleicht vorgeschichtliche Gottheiten darstellten. Dieses Mal entdecke ich, daß Frau Konsolakis-Jiannopoulou, die Archäologin, ein neues Gebäude ausgegraben hat, das auf einer freien Wiese steht. Nach dem, was ich bisher über mykenische Heiligtümer gelesen habe, könnte es ein Megaron, der Vorläufer der antiken Tempel sein.

Frau Konsolakis-Jiannopoulou ist seit fast 20 Jahren in der Region um die Halbinsel Methana tätig und sie hat schon eine Menge interessanter Funde gemacht. Leider sehen die Methaner sie nicht so gerne, weil durch ihre Forschungstätigkeit die gesamte Halbinsel als archäologisch geschützte Region deklariert wurde. Findet man auf einem Baugrundstück antike Reste, so müssen die Bauarbeiten gestoppt werden. So haben eben viele Methaner Angst, daß durch die antiken Reste ihre Grundstücke wertlos würden. Natürlich ist das nicht ganz so, denn es gibt ja auch Entschädigungen vom griechischen Staat. Und dazu kommt, daß die antiken Stätten irgendwann ausländische Gäste anlocken könnten, die den Methanern Einkünfte durch den Tourismus bescheren würden.
Die aktive Archäologin hat 1997 auch die erste Konferenz zur archäologischen Vergangenheit geleitet, die auf der Insel Poros mit großem Erfolg verlief. Ihre Funde sind heute im Museum von Piräus und von Poros ausgestellt und werben für Methana.

Nachdem ich mir die Ausgrabungsstätte in Ruhe angesehen habe, mache ich mich auf den Heimweg, denn heute habe ich genug antike Reste besucht. Es macht schon Spaß, auf Methana zu wandern, denn man fühlt sich hier noch wie ein "Entdecker" und tatsächlich kann man selber noch Dinge finden, die nur wenige Besucher beachten...

Der Chelonas-Gipfel ist der höchste Punkt von Methana. Er ist bei meiner heutigen Tour das Ziel. Mit 740 m Höhe ist er aber kein "unerreichbar" hoher Punkt. Die Wanderung führt mich vom Altstadtbereich Methanas zum anfangs steilen Wanderweg. Allmählich schraubt sich eine Kehre nach der anderen in die Höhe. Es geht ganz schön in die Waden und ich mache öfters Pause. Es lohnt sich, denn der Blick auf Methana, das Dorf Agios Charalambos und den Saronischen Golf ist atemberaubend. Da ich recht früh losging, kann ich jetzt beobachten, wie die Fähre aus Piräus anlegt.
Bald komme ich im Chiroma-Tal zu einem kleinen Steinhäuschen, das als Unterschlupf dient, falls der Bauer, dem die umliegenden Weinfelder gehören, in den Regen kommen sollte.
Auch, wenn irgendwo am Anfang eine Steinplatte mit dem Datum 1923 liegt, so ist dieser Weg viel älter. Denn er ist der zentrale Verbindungsweg, auf dem man theoretisch alle Dörfer Methanas erreichen könnte. Und bis 1960 gab es schließlich keine Straßen auf Methana! Die alte Fischerin Theoni hatte mir einmal erzählt, daß sie in ihrer Jugendzeit vom Dorf Kounoupitsa zu Fuß nach Methana ging, um dort landwirtschaftliche Produkte auf dem Markt zu verkaufen. Und ihre Schuhe waren ihr so wertvoll, daß sie sie vor der Wanderung auszog und barfuß wanderte!

Da geht es mir mit meinen stabilen Wanderstiefeln natürlich viel besser...
Bald komme ich in das Stavrolonogs-Tal. Es ist einer der schönsten Orte Methanas. Hier lag vor vielen Jahrtausenden ein riesiger Vulkankrater, der irgendwann erlosch. Dann war lange Zeit Ruhe, bis in seiner Mitte ein kleiner Vulkandom entstand. Seitdem ist der Vulkan "erloschen".
Heute gleicht das Tal einem Blumenkorb. Wie immer, gehe ich direkt zu dem kleinen inselähnlichen Vulkan. Denn vor ihm wachsen die schönsten Rosen Methanas. Sie leuchten wie kleine Rubine und der Duft ist unbeschreiblich. Kein Wunder, daß ich da einen ganzen Film belichte...
Die Wiese im Krater gleicht einem Schatzkästlein. Es blühen rosa Judasbäume, gelbe Königskerzen, blaue Glockenblumen und im Gebüsch entdecke ich das provincialische Knabenkraut.
Nach mehr als einer Stunde im Farbenrausch verlasse ich die Wiese und wandere bergauf in nördlicher Richtung weiter. Der Fahrweg ist noch vom Winterregen zerfurcht. Nach wenigen Minuten erreiche ich ein kleines Wäldchen, in dem ich seit Jahren, immer zur gleichen Zeit, die schönsten Orchideen Methanas finde. Orchideen sind an für sich schon etwas besonderes, aber wenn sie, wie hier, bis zu 45 cm hoch wachsen, dann ist das schon beeindruckend. In dem kleinen Wäldchen wächst der violette Dingel. Jede Orchidee hat ca. 5-10 wunderschöne, violette Einzelblüten. Sie sehen fast wie kleine, tropische Singvögel aus.

Bei dem Wäldchen gibt es eine Abzweigung zur Kapelle Agios Athanasios, wo ich mich ein bißchen ausruhe und meinen Proviant genieße. Ich habe ja noch eine lange Wanderung vor mir und der Aufstieg war recht anspruchsvoll. Hier könnte man herrlich Feste feiern, denn es gibt einen langen Tisch, an dem genügend Platz für griechische Spezialitäten wäre.
Nachdem ich auf die Hauptroute zurückgegangen bin, komme ich bald zu einer weiteren Hochebene, auf der Wein angebaut wird. daneben ist eine Wiese, auf der ich im Dezember immer reichlich Wiesenchampignons gesammelt habe. Methana ist auch ein gutes Pilzrevier...
Bald komme ich in einen kleinen Kiefernwald, wo ein breiter Pfad abzweigt. Von dort gelange ich auf ein Feld, das von einer auffälligen Steinmauer im Osten begrenzt wird.

Es ist schon fast nichts besonderes mehr, daß auch diese Mauer schon von weitem antikes Baumaterial erkennen läßt. Auf diesen Ort wurde ich vor Jahren durch den alten Seemann Ilias aufmerksam gemacht. Er hatte auf seinen Seereisen viel Zeit zum Lesen und so gehört er zu den wenigen Methanern, die die Halbinsel perfekt kennen.
Hinter der Mauer entdecke ich eine unter einem Stein versteckte Zisterne, ein paar antike Steinsäulen, Weinpressen und eine kyklopische Mauer. Das Feld um diese antiken Reste hat einen sehr ungewöhnlichen Namen, der weder griechisch ist, noch zu den in Methana gewohnten, albanischen Namen paßt. Kef-Te-Dher hört sich fast ein ein wenig arabisch oder vielleicht ägyptisch an? Ilias meinte, daß der Name "Grab der Schweine" bedeutet, weil man hier irgendwo ein paar Schweinchen aus Gold vergraben haben soll. Vielleicht hat er Recht? Denn die Steinsäulen und das kyklopische Mauerwerk deuten darauf hin, daß hier ein Heiligtum gelegen haben muß...

Ich gehe noch bis zum Südende des Felds, denn dort gibt es unter zwei riesigen Kiefern eine Ruine, neben der eine Weinpresse in der Form eines Bootes steht. Sie gab der Hochebene den zweiten Namen - "Varkesa" (Boot). Schon Michael Deffner hat diese Ölpresse bei seinem Besuch 1912 beschrieben. Er schrieb einen Reisebericht, der bis heute an Gültigkeit nichts verloren hat und sogar für Archäologen wichtig bleibt. Das waren auch meine ersten Informationen, die ich über Methana finden konnte.

Am Nordwestende der Hochebene schlage ich einen Pfad ein, der mich in ein wunderschönes Wäldchen aus Kiefern, Eichen und Erdbeerbaumbüschen bringt. Hier gibt es im Winter die größten Parasole (leckerer Speisepilz). Jetzt entdecke ich hier zahlreiche Vierpunktknabenkräuter und an einer Stelle den violetten Dingel. Hier vergißt man das Bild vom "kargen" Griechenland.
Beinahe stolper ich über eine uralte Breitrandschildkröte, die gelangweilt an einem Eichenzweig kaut. Sie läßt sich auch nicht durch mich aus ihrer Ruhe bringen, obwohl ich ihr mit dem Makroobjektiv ziemlich nahe rücke.
Nach ein paar Minuten komme ich wieder auf eine Lichtung und spaziere über eine herrlich blühende Kamillewiese bis zur höchsten Hochebene. Dort finde ich Jiorgos mit seiner Ziegenherde an seiner Zisterne. Hinter ihm erhebt sich der Chelonagipfel, der aus einer chaotischen Ansammlung von Felsen besteht. Ich bin schon ein paar Mal oben gewesen. Die Aussicht ist grandios! Von hier ist der Gipfel leicht zu erklettern. Von der Zisterne aus ist man in ca. 15-20 Minuten oben. Man muß sich erst einmal durch ein kleines Dickicht kämpfen und dann ist man schon oben. Von weitem sieht der Gipfelfelsen wie ein kleiner Löwe aus. Aber eigentlich kommt der Name vom Wort Schildkröte.
Jiorgos erzählt mir, daß hier irgendwo eine große und zwölf weitere, kleine Schildkröten aus Gold versteckt sein sollen. Es geht sogar das Gerücht um, daß ein paar deutsche Besatzungssoldaten ein paar der Goldschildkröten weggeschmuggelt haben sollen...
Jiorgos zeigt mir auch ein antikes Gebäude, das im Gebüsch hinter der Zisterne liegt. Dort hat man schon mal Grabungsversuche unternommen und deutlich sind gut behauene, antike Mauern zu sehen. Vielleicht ist ja was an den Gerüchten?

Nach etwa 2 Stunden verabschiede ich mich von Jiorgos, denn ich möchte ja noch meine "Methana-Gipfel-Tour" weitermachen. Denn hier oben gibt es einen wunderschönen Weg, der einem immer auf Gipfelhöhe weiterbringt. Die Aussicht ist traumhaft! Überall ist man von kleinen Tälern umgeben, die von Vulkandomen eingerahmt werden. Dahinter blickt man auf die Nachbarinsel Ägina mit ihrem steilen Vulkankegel Oros. Nach einer Weile komme ich auf eine weitere Hochebene, auf der Johanniskraut blüht und auf den Pfaden von Jiorgos geht es am nächsten Gipfel entlang, bis ich auf die Loutesa-Ebene gelange. Hier hat man schon vor Jahrtausenden zahlreiche Zisternen in den tonigen Boden gegraben. Im Herbst blühen hier massenweise Krokusse. In einem trockenen Bachbett komme ich schnell auf Methanas Westseite bergab. Unter mir breitet sich das Panagitsa-Tal aus und ich halte mich links in südlicher Richtung, bis ich den Fahrweg erreiche, der Zur Panteleimon-Kapelle führt. Auf dem Weg treffe ich Vangeli, der mich noch schnell zum Kaffe in sein Berghaus einlädt. Matina ist in Poros und so hat er heute "sturmfreie Bude".

Bevor es zu spät wird, mache ich mich auf den Rückweg nach Methana. Als ich fast unten bin, kommt mir Matina mit ihrem knatternden Motorrad entgegen. Ich berichte ihr von meiner Wanderung und sie freut sich, daß ich ihren Vater und auch Vangeli getroffen habe.
Endlich bin ich wieder in Methana und jetzt gönne ich mir erst mal eine heiße Schokolade im Berlin Café.

Meine Lieblingswanderung beginnt ähnlich, wie der Aufstieg auf den historischen Vulkan. Auch hier beginne ich die Tour in Kameni Chora und gehe ein Stück auf dem gleichen Weg, wie zum Vulkan. Nur, daß ich nach etwa einer Viertelstunde rechts in den Weg nach Sterna Gambrou und nach Methana einbiege. Der Anstieg ist anfangs etwas schweißtreibend, aber bald kommt man wieder in das restliche Stück Wald, das die Bulldozer 1999 übrig gelassen haben. Man kann natürlich auch auf dem neuen Fahrweg noch schneller vorankommen. Dies ist leider eine Entwicklung (nicht nur) in Methana, daß man zu allen Feldern nun plötzlich eine Straße mit Eu-Mitteln baut. Ich bin sehr traurig darüber, denn gerade diese Strecke gehörte zu den ursprünglichsten Gegenden Methanas. So ist das immer in Griechenland, wenn es Wahlen gibt. Die Bürgermeisterkanidaten müssen schnell irgendwelche "Werke" vorzeigen, die kurzfristig ein paar Jobs bringen. Da ist kein Platz für sinnvolle Planungen oder gar für Naturschutzgedanken. Schade, denn gerade die Natur der Halbinsel kann in Zukunft ein Anziehungspunkt für ausländische Gäste sein. Ich habe lange gegen die Strassenbaupläne gekämpft und versucht, der Gemeinde Methana Alternativen vorzuschlagen. Nur wer hört schon dort auf einen Ausländer?

Trotzdem lohnt sich diese Wanderroute weiterhin, so lange der Fahrweg nicht asphaltiert wird. Und irgendwann holt sich die Natur ihr Eigentum zurück...
Bald komme ich auf eine Hochfläche mit brachliegenden Feldern und bald erreiche ich die Ruinen eines ehemaligen Dorfs. Hier lebten bis 1840 ein Dutzend Familien. Das Dorf wurde, nach der Befreiung der Griechen von der türkischen Fremdherrschaft, verlassen. Früher wurden die meisten Dörfer Methanas in den Bergen gegründet. Nur so konnte man sich vor den Seeräubern und den türkischen Steuereintreibern schützen. Damals waren alle Häuser noch ungekalkt. Das war die beste Tarnung. In Zukunft könnten die Ruinen renoviert werden und als Unterkünfte angeboten werden. In der Nähe der Ruinen treffe ich auf Jannis mit seiner Ziegenherde und er erzählt mir ein paar Geschichten über das Dorf.

Das Dorf heißt heute "Sterna Gambrou", was die "Zisterne des Bräutigams" bedeutet. Die Geschichte dazu erzählt von einem Unglück. Denn vor vielen Jahrzehnten machte sich ein Bauer aus Kameni Chora auf den Weg zu den Dörfern Ost-Methanas, wo er seine Braut abholen wollte. Auf dem Weg wollte er seinen Durst an einer Zisterne stillen und rutschte in sie. Er konnte sich nicht mehr aus ihr befreien und ertrank.

Jannis hat, wie immer, Proviant und frisches Wasser dabei und so setzen wir uns vor die kleine Agios Sotiros Kapelle. Jannis ist wie Jiorgos ein richtiger Naturphilosoph und ich denke mir, daß es schade ist, daß solche Menschen hier in der Politik nichts zu sagen haben. Vielleicht würden sie die Landschaft um sie herum mehr respektieren? Auch, wenn ihre Ziegen nicht gerade Freunde der Bäume sind, so ist der größte Feind der Wälder z.B. der Bauer, der zu faul ist, sein abgeerntetes Feld zu reinigen und der es unkontrolliert abbrennt. Fast alle Waldbrände auf Methana haben diese Ursache. Da wäre noch viel Überzeugungsarbeit und vorallem staatliche Kontrolle nötig.

Bald verlasse ich Jannis und gehe erst mal auf einem Pfad zu einem Feld, auf dem ein riesiger Felsen Liegt, der sicher irgendwann aus einem der umgebenden Vulkane gerollt ist. Unter ihm befindet sich ein höhlenähnlicher Raum, der am Eingang einen deutlich bearbeiteten Stützstein aufweist. Hier könnte eines der ältesten Häuser Methanas gelegen haben. Vielleicht war es sogar schon in der Steinzeit bewohnt? Interessant ist auch, daß der Felsen auf seiner Oberseite deutlich eingemeißelte Kanäle besitzt. War der Felsen vielleicht sogar ein vorgeschichtlicher Opferaltar? Oder hat man damit einfach das Regenwasser in eine Zisterne geleitet?
Auch heute ist diese Felsenwohnung ein idealer Unterschlupf, wenn man in Schlechtwetter gerät.

Querfeldein steige ich über ein paar Feldterrassen und gelange schnell auf den Fahrweg. Ich hätte natürlich gleich im Ruinendorf auf den alten Steinplattenweg einbiegen können. Aber dann hätte ich weder Janni getroffen, noch die Felsenwohnung fotografieren können. Nach wenigen Minuten komme ich auf einen kleinen Paß und stehe schon am Westende der Makrylongos-Hochebene. Hier erstreckt sich die Landschaft der Nordrandvulkane. Eine eindrucksvolle Ansicht! Mehr als 6 Vulkane reihen sich aneinander. Sie zu besteigen ist ein fast unmögliches Unterfangen, denn sie bestehen aus einem undurchdringlichem Dschungel aus Buschwerk und gigantischen Felsblöcken. Mit Lorenz Hurni habe ich schon den Gipfel des Malia Vgethi Vulkans und des Kastelli Vulkans bestiegen. Die Aussicht von den Gipfeln ist unbeschreiblich! Ein Paradies für Kletterer. Aber Vorsicht! In Griechenland gibt es noch keine funktionierende Bergrettung ála Schweiz oder Österreich! Alleine sollte man solche Touren auf gar keinen Fall machen.

Ich gebe mich heute aber mit dem Anblick dieses Panoramas zufrieden. Am Anfang der Hochebene gibt es etwas oberhalb des Wegs eine wunderschöne, uralte Zisterne, die meistens gutes Trinkwasser enthält. Man sollte immer ein kleines Trinkgefäß (evtl. mit Entkeimungstabletten?) und eine lange, stabile Schnur dabei haben. Denn oft sind die Eimer für das Trinkwasser versteckt oder total verrostet.
Nach wenigen Metern komme ich an einer tonnenschweren, vulkanischen Bombe vorbei. Wenn man sich vorstellt, welche Energie dahinter steckt, daß so ein Bloch aus einem Vulkankrater geschossen wird, dann bekommt man einen ganz anderen Respekt vor den Urgewalten...

Der Fahrweg führt leicht bergauf und bald sehe ich die Hochebene unter mir liegen. Auf dem Weg komme ich an einem Hügel vorbei, bei dem weitere antike Reste auf ihre Ausgrabung warten. Nach einem Kilometer komme ich an die Abzweigung zur Varkesa-Hochebene und zum Chelonas-Gipfel. Ich gehe aber weiter, denn ich möchte nicht zu spät nach Methana zurückkommen. Inzwischen bin ich auf der alten Route zum Stavrolongos-Tal und an der Straße nach Methana biege ich auf den alten Weg nach Agios Charalambos ein, der mich zuerst in den alten Teil von Methana-Stadt führen wird. Der Abstieg ist durch einzelne Steine sehr anstrengend und ich muß aufpassen, nicht auszurutschen. Da bleibt kaum Zeit, die schöne Aussicht auf Methana zu genießen.

Am nächsten Tag mache ich nur eine kleine "Erholungswanderung". Von Methana schlendere ich zur Hochebene Throni. Bald erreiche ich die beiden einzigen Häuser und mache erst einmal einen Abstecher zum antiken Turm, den schon Michael Deffner 1912 beschrieben und mit seinen finanziellen Mitteln freilegen ließ. Die perfekten Mauern und das vollkommen erhaltene Eingangstor ist immer noch ein interessantes Fotomotiv.
Dann gehe ich zurück zur Kreuzung und über ein Feld zum Pfad am Berghang des "Aspro Vouni", der auf albanisch "Mali Bard", "weißer Berg" heißt. Schon nach wenigen Metern entdecke ich eine wunderschöne Orchidee. Dieser Kalkhügel ist schon seit Jahren immer mein Ziel, um seltene Orchideen zu entdecken. Das Vierpunktknabenkraut ist hier sehr verbreitet. Aber weiter oben gibt es ein paar Stellen, wo ich jedes Jahr die Spiegelragwurz, Hummelragwurz, Wespenragwurz und Busenragwurz entdecke.
Auch geologisch ist der "Aspro Vouni" interessant. Am Wegrand findet man zahlreiche Hippouriten (fossile Schneckengehäuse) und an ein paar Stellen sogar versteinerte Korallen.

Der ganze Berg ist von tiefen Verwerfungen durchzogen. Auf dem Gipfel gibt es eine Spalte, die den ganzen Berg durchzieht und die in Verbindung mit den Heilbädern Methanas steht. Diese Störungen gehen tief in den Berg und ermöglichen dem Meerwasser den Kontakt mit dem Magmaherd, der tief unter Methana liegt. Dabei wird das Meerwasser erhitzt und steigt auf. Auf dem Weg durch das Gestein reichert es sich mit wertvollen Mineralstoffen an, die in den Heilbädern gegen Erkrankungen Heilwirkungen entfalten.

Übrigens gibt es auf Methana durch diese tektonischen Schwächezonen auch sehr interessante Karsthöhlen. Man erreicht sie, indem man sich auf den Isthmos (Landenge) Steno begibt und dort zum aufgelassenen Steinbruch begibt. Dort findet man in einem Loch in der Felswand die Reste einer gesprengten Höhle mit einem meterlangen Stalagmiten. Die zweite Höhle kann man mit Mühe besuchen, wenn man der völlig sinnlosen, neuen Straße folgt. Bald gelangt man an einen rundlichen Felsüberhang, unter dem ein Höhlensee liegt. Die Taubenhöhle kann man nur mit einem Schlauchboot und unter Gefahr besuchen. Man kann sich diese Tour ersparen. Es ist deprimierend zu sehen, wie man hier die Landschaft durch den Straßenbau für immer zerstört hat.

Doch von dem ganzen sehe ich auf dem "Aspro Vouni" zum Glück nicht viel. Hier oben ist die Natur noch in Ordnung. Wie lange noch, das entscheidet sich in Brüssel...
Gegen Nachmittag verlasse ich den Berg. Eine lohnende Tour! Ein paar Filme sind mit zahlreichen Orchideenfotos und Landschaftsaufnahmen gefüllt. Davon zehre ich dann im kommenden, mitteleuropäischen Winter...

Will man Methana richtig kennenlernen, so lohnt sich auch der Besuch der Dörfer an der Nordostecke der Halbinsel.
Ich fahre dazu mit dem kleinen KTEL-Bus bis nach Kounoupitsa. Dort steige ich aus und spaziere zum kleinen Dorfplatz, um im kleinen Kaffeehaus, das von einer Holländerin geführt wird, einen Kaffee zu trinken. Die Häuser am Platz sind sehr reizvoll und warten auf eine Renovierung...
Bald wandere ich auf der selten befahrenen Straße bis zur Kirche Agia Barbara, die die wichtigste der Halbinsel ist. Die Kirche selber ist ein typischer Zementbau der 80er Jahre. Unter ihr befindet sich eine Gruft, in der angeblich die Gebeine der Heiligen Barbara liegen. Ich spaziere aber in Richtung zweier byzantinischer Kapellen weiter. Davon ist die des Agios Dimitrios die besser erhaltene. In ihr kann man noch uralte Fresken bewundern. Etwas unterhalb befindet sich die Kapelle des Agios Joannis in ähnlichem Stil. Beide Kapellen dürften aus dem 12 Jahrhundert stammen.
Den Weg zur weit oberhalb davon liegenden Kapelle Agios Konstantinos erspare ich mir, denn ich habe noch viel vor. Jene Kapelle lohnt aber auf jeden Fall einen Besuch - alleine schon wegen ihrer herrlichen Lage! Man erreicht sie auf einem Pfad, der gleich am Anfang bei der Agia Barbara beginnt.

Ich glaube nicht, daß es ein Zufall ist, daß in einem Umkreis von ca. 600 m gleich vier Kirchen stehen. Sicher gab es hier in vorchristlicher Zeit schon ein wichtiges Heiligtum, den antike Scherben sind auch hier über die Felder verstreut...

Die Wanderung geht auf dem Pfad bei der Hauptkirche der hl. Barbara weiter. Nur biege ich nicht links zur Agios Konstantinos Kapelle ab, sondern gehe in Richtung Pano Mouska weiter. Bald erreiche ich das kleine Dorf und besuche Kostas, den Sattler, der am oberen Dorfrand wohnt. Er ist ein wirklich gastfreundlicher Mann! Man kommt nicht an ihm vorbei, ohne zu einem Glas Wein eingeladen zu werden. Die von mir nicht sehr geliebte Erdstraße erleichtert meinen nun etwas schwereren Beinen das Weiterkommen. Wein und Sonne ist eine sehr bremsende Kombination...
Bald erreiche ich das Ostende der Makrylongos-Hochebene. Wäre ich nicht schon etwas müde, dann könnte ich hier den Pfad einschlagen, der zur Profitis Elias Kapelle und auf den Kastelli-Gipfel führen würde. Dort war ich schon ein paar Mal und über die Aussicht braucht man nicht viel erzählen: Super! Doch ich will bald auf der Zentralroute zum Stavrolongos-Tal und nach Methana sein.

Langsam geht meine Zeit auf Methana mal wieder zu Ende, denn in ein paar Tagen habe ich eine Wandergruppe auf Santorin, die nach vier Tagen auch nach Methana kommen wird. Auch, wenn ich jahrelang auf Methana gelebt habe, freue ich mich jedes mal auf meine Wanderungen in den Bergen Methanas. Auch nach Jahren, entdeckt man immer wieder neue Sehenswürdigkeiten und ein Höhepunkt sind auch die Treffen mit den Bergziegenhirten. Vielleicht wird mein Traum ja irgendwann wahr und die Halbinsel wird zum "geologischen und historischen Naturpark" erklärt und die wunderschönen Landschaften endlich nachhaltig geschützt.