DIE VULKANHALBINSEL METHANA IN GRIECHENLAND  
Orchids, Orchideen, Methana Volcanic Spa Romantic Places, Romantische Orte Great Landscapes, Tolle Landschaften Discover Nature, Natur entdecken Religious Places, Religiöse Orte Watch rare Animals, Seltene Tiere beobachten The volcanic Peninsula, Die Vulkanhalbinsel Volcanoes and Craters, Vulkane & Krater
Sonne, Meer, Heilbäder und Vulkane
Deutsche Version Deutsch | English version English | Ellinika Ελληνικά
Agios Andreas Vulkan

Der Ausbruch von Agios Andreas auf Methana

Ehemaliges Ende der Lavaströme vom Agios Andreas Vulkan oder sogar Ausbruchskrater?

Die große Kreidekalkmasse der NW-Spitze Methanas war der Schauplatz kleinerer vulkanischer Ereignisse, die Reste effusiver und explosiver Vorgänge in so frischem Zustand hinterließen, so daß man den Ausbruch von Ag. Andreas zu den jüngsten auf Methana rechnen muß.
Ihn und den Ausbruch des Kammeno trennen von allen übrigen massenmäßig meist größeren Bauten lange Zeiträume. Sie stellen die bisher letzten Äußerungen des vulkanischen Herdes dar, für die die tektonische Schwächestelle am Rande der vulkanischen Massen in den Randabbrüchen des Kreidesockels günstig war.

Die Eruption von Ag. Andreas ist deshalb besonders interessant, weil ihr Mechanismus nicht nur in Methana selbst kein Analogen hat, sondern auch in der mir bekannten Literatur für andesitische Laven noch nicht beschrieben wurde.
Die dunklen, schlackenreichen Laven treten an zahlreichen Punkten aus Spalten und Brüchen an der 500 m hohen Steilküste des Kreidekalkmassivs aus. Sie bilden kurze und längere, oft übereinanderfließende dünne Ströme, die den mit 40° abstürzenden Hang zum Teil nur noch als aufgelöste Blockstreuung bedecken.

An der Küste bilden sie an einer Stelle einen .bedeutenden Stromsack von 50 - 60 m Mächtigkeit. Reiss und Stübel (71) deuteten die Schlacken- und Blockstreuung als Auswürflinge des Kameno-Vulkans: «An manchen Stellen häuften sich dieselben so sehr, daß man versucht werden konnte, sie für anstehendes Gestein zu halten.» Die Natur der Vorkommen als selbständige Ausbruchsstellen und geflossene Ströme zeigte sich aber bei genauer Untersuchung der über 20 isolierten Durchbrüche und Stromreste.
Die Ausbruchsstellen sind fast alle auf die Kalkklippen beschränkt, die mit steilen Wänden aus dem Waldboden aufsteigen.
Fig. 19 zeigt, wie die einzelnen Stromanfänge streng an die kleinen Staffelbrüche in den Felsen gebunden sind. Die Brüche streichen zirka 70°, begleiten also den großen Abbruch zur N-Küste. Die östlichen, zugleich die größten Durchbrüche, treten an einer über 200 m langen Zone aus, die ebenfalls als Bruchstaffel zu erkennen ist. Nur an einer Stelle aber ist die Ausfüllung einer Spalte mit Lava aufgeschlossen, die oben die Spaltenränder überfließt.
Die Bruchwände sind stellenweise mit Rutschstreifen bedeckt. Eine Veränderung des Kalkgesteins durch die Lava wurde kaum beobachtet.

An zwei Stellen konnten Sinterbildungen, an einer Stelle oberflächliche Frittung festgestellt werden. Morphologie der Ströme. Der Stromanfang ist durch keinerlei Überhöhung oder Miniaturkuppenbildung ausgezeichnet. Das Ausfließen erfolgte schnell ohne Aufstau über der Öffnung. Die Mächtigkeit der Strömchen liegt zwischen 1 und 4 m, größere Dicken wurden nur an den Stromenden an der Küste gesehen. Basis und Oberfläche sind stark verschlackt, in den Basisschlacken sind Kalkbrocken eingeschlossen. Übereinanderfließen mehrerer dünner Ströme an vielen Stellen. Die Ströme liegen meistens unmittelbar auf anstehendem Kalk, seltener auf Hangschutt.
Figur 20: Austritt kleiner Lavaströme an Brüchen im Kreidekalk, Agios Andreas, Methana.

Figur 20: Austritt kleiner Lavaströme an Brüchen im Kreidekalk, Agios Andreas, Methana.
Lavaströme im Karstgebirge auf Nordwest-Methana


Durch Verwitterung der Basisschlacken verstürzt die Strommasse und zerfällt in polyedrische Blöcke. Dadurch erklärt sich die vollständige Abtragung besonders an den sehr steilen Hängen. An der Küste bedecken die Laven einen Streifen von 400 - 500 m. Im W wechsellagern drei dünne Ströme mit Lockerschlacken und Explosions­produkten. K. G. Fiedler (1840) hat diese Stelle beschrieben, ohne die Verschiedene Natur der einzelnen Bänke zu erkennen.

Im Profil zeigen sich:

  •  2 m rotbraune, massive Lava mit Schlackendecke;
  • 0,5 m kleine, schwarze Schlacken, verbacken und «gerollt», Kalkbrocken. Nach O auskeilend;
  •  3 m schwarze, massive Lava, zum Teil verschweißte Schlacken;
  • 2 m Lockerschlacken  mit  vielen  Kalkbrocken,  verschweißte  rote Schlacken, lagenweise nach Größe geordnet. Kalkbrocken und Lockerschlacken, nach 0 auskeilend; 
  • 3 m rote Schweißschlacken und massive Lava.
    Meeresspiegel.

 
Figur 20.: Lageskizze der Agios Andreas Eruption

Figur 20.: Lageskizze der Agios Andreas Eruption
Die Lavabänke sind zum größten Teil massiv mit hangenden und liegenden Schlacken. Sie lassen sich in die Ströme und Stromreste am Hang hinauf verfolgen. Ihre Farbe ist im Hangenden rotbraun, in den mittleren Partien tiefschwarz, am und zum Teil im Wasser leuchtend rot. Die Lockerschichten zeigen für Auswurfschichtung typische Sonderung nach der Größe. Die größeren Schlacken sind fladenartig verbreitet und mit der Umgebung verschweißt. Sie sind im plastischen Zustand gefallen. Die Anreicherung von Kalkbrocken, Radiolariten und älteren vulkanischen Gesteinen ist bedeutend stärker als in den Schlackenpartien der Strombänke, die Kalke sind meistens gefrittet und gebrannt. An verschiedenen Stellen sehen die Lockerschlacken zwischen den Strömen wie gerollt aus: Der hangende Strom hat die auf den liegenden Strom gefallenen Explosionsprodukte unter sich fortbewegt. Nach 0 keilen die Lockerschichten aus, die Ströme legen sich mit geringen Schlackenbändern aufeinander. Sie werden nach 0 zusehends mächtiger, bis sie in den weitgespannten, bogenförmigen, zum Meer offenen Brüchen und Spalten folgte.
Figur 21: Lageskizze des Stromkopfes der Ag. Andreas Ströme. 1. Kameno Stromfeld, 2. Ag. Andreas Kapelle, 3. Stromdecken, 4. übereinanderliegende Stromdecken, 5. Brüche, 6. Quellpfropfen, 7. Sekundärstrom.

Figur 21: Lageskizze des Stromkopfes der Ag. Andreas Ströme. 1. Kameno Stromfeld, 2. Ag. Andreas Kapelle, 3. Stromdecken, 4. übereinanderliegende Stromdecken, 5. Brüche, 6. Quellpfropfen, 7. Sekundärstrom.

Der Stromkopf

Der Grund für die Anreicherung im Osten ist darin zu finden, daß am Hang darüber die stärksten Lavadurchbrüche liegen und die Morphologie des Untergrundes eine stromkopfartige Ansammlung gestattet.

Während der Mechanismus der dünnen Hangströme durchaus von dem für andesitisches Magma üblichen abweicht. unterliegen die Erscheinungen im Stromkopf den sonst erkennbaren Gesetzen. Hier hatte sich ein Stromkanal gebildet, der die herab­fließenden Massen sammelte. Eine dauernd fördernde Quelle gab dazu die Möglichkeit, während in den anderen Teilen immer neu aufbrechende Öffnungen sich überlagernde Ströme lieferten. Bei Erstarrung der Stirn staute sich dieser Strom zu einem kuppelförmigen Stromkopf auf (Fig. 22). Profile an späteren Brüchen zeigen Intrusions- und Quetschbildungen, wie sie in genau gleicher Ausbildung in den sekundären Aufwölbungen im Kammeno-Stromfeld beobachtet wurden.
Dabei entstand eine Plattung der Lava, die in den Dachteilen der Wölbung flach liegt, an der Küstenfront steil zum Meer fällt. Kleine Gasblasen und Schlackenzonen scheinen dabei als Scherflächen gedient zu haben. Diese Aufwölbung war die Einleitung zu einer sekundärvulkanischen Phase. Die aufgestauten Massen müssen in einem submarinen Durchbruch ihre Entlastung gefunden haben, der ein Einbruch der Wölbung an mehreren weitgespannten, bogenförmigen, zum Meer offenen Brüchen und Spalten folgte.
Figur 22.: Profil durch den Stromkopf und Sekundärstrom des Ag. Andreas Vulkans

Figur 22.: Profil durch den Stromkopf und Sekundärstrom des Ag. Andreas Vulkans
Die Brüche sind verrauht und zum Teil mit sekundärem Material gefüllt. Am Grunde des amphitheaterartigen Talgrundes (56 m Meereshöhe) entsprang ein neuer geschlossener Strom, der schon durch bedeutend größere Verschlackung seinen sekundären Typ zu erkennen gibt.

Der sekundäre Durchbruch. Das erste Aufdringen bezeichnen eine Reihe pilzförmiger, verschlackter Pfropfen und Schlackenkragen, im Halbbogen angeordnet (Fig. 21). Dadurch wird das Bild manchen Sekundärquellen an der Kameno-Kuppe und auf Santorin ähnlich. Darunter beginnt mit gewölbtem Schlackendach der eigentliche Sekundärstrom, der durch Unterströmung an einer Reihe stirnkonkaver Bruchspalten zerlegt wurde.

An den Spalten hat nicht nur eine Entfernung der getrennten Dachteile voneinander stattgefunden, sondern auch eine Absenkung der unteren Schollen bis zu 10m. Die meist sehr schmalen (1 - 4 m) Dachschollen zwischen den Unterströmungsbögen sind alle nach vorne geneigt und an den Bruchflächen stark verrauht. In der ersten Fließstrecke liegt der Strom auf den abgesunkenen primären Dachteilen, seine Mächtigkeit ist gering (Fig. 21).
Bei Beginn einer Steilstufe (54m), die wohl ebenfalls eine Bruchstaffel oder den Flankenbeginn der primären Wölbung bezeichnet, verengt sich der Stromlauf, seine Ränder werden steiler, das Gefälle stärker, die Unterströmungsbögen zahlreicher und unregelmäßig. Zwei parallel laufende Wölbungen des Daches deuten eine Differenzierung in zwei Kanäle an.
Der Stromkopf von Aj. Andreas zeigt also den für die zähen andesitischen Laven bezeichnenden Mechanismus: Aufstau der subkrustal fließenden Laven durch Erstarrung in der Stromspitze, Aufwölbung, Entlastung in stirnnahen Stromteilen (nicht beobachtet), Einsturz der Wölbung und Austritt eines sekundären Stroms, dessen Laven ihren Gasgehalt bis zur Austrittsstelle bewahrt hatten und so die typischen Verschlackungen und Verrauhungen bildeten.
Gegenüber diesen im zähen Zustand der andesitischen Laven bedingten Bewegungsformen zeigen die Stromquellen und Stromdecken am Hang einen stark modifizierten Mechanismus, der in gewissen Zügen der Bewegungsart basischer, leichtbeweglicher Schmelzen ähnelt.

Auch die Durchtrümmerung des Kreidegebirges in zahllosen dünnen Adern und Gängen ist für zähes Material ungewöhnlich. Man muß, da die mineralogische Zusammensetzung kaum vom Durchschnittstypus der Methana-Laven abweicht, eine höhere Temperatur für das hier ergossene Magma annehmen, die mit erhöhter Flüssigkeit eine schnellere Bewegung gestattete.
Es bleibt noch die Frage nach dem Ursprung der Explosionsprodukte zu erörtern. In der Nähe der Lavendurchbrüche wurden keinerlei Anzeichen für Lockermasseneruption beobachtet. Dazu kommt eine deutliche, nach der Größe gesonderte Streuung der Lockerprodukte, die auf einen im Meer gelegenen Eruptionspunkt deutet. Auf der kleinen Halbinsel im W der NW-Küste, die von Radiolariten, Serpentin- und Kreidekalk aufgebaut wird, lagert eine 5 - 4 m starke Decke von Lockerschlacken, Lapilli und fremdem Auswurfmaterial. Über altem Hangschutt folgten zuerst grobe Schlacken und Bombenpackungen mit zahlreichen frischen und metamorphosierten Kalkbrocken.
Der veränderte Kalk ist rein weiß und kristallin gegenüber dem blaugrauen, dichten im frischen Zustand. Dazu kommen Brocken rötlicher und blauer Andesite vom Typ des Massivgesteins und vereinzelte Radiolarite. Nach oben nehmen die Schlacken und Auswürflinge an Größe ab, eine deutliche Schichtung in korngleiche Bänke ist vorhanden.
An der Küste zwischen dieser Halbinsel und den Tuffvorkommen in den Spitzen der Aj. Andreas-Ströme (s. oben) kom­men vereinzelte Reste und zusammenhängende Partien ähnlicher Lockermassenpackungen vor. Den Hang hinauf werden sie geringer, am Wege (zirka 150 m) unter dem Paß, der die Panajia-Halbinsel vom Hauptkreidemassiv trennt, wurden 50 cm mächtige Lapillischichten beobachtet, die aus erbsen- bis nußgroßen Brocken bestehen mit wenig gröberem Material. Mehrere Spindelbomben bis zu 10 cm Größe wurden im Wald­boden gefunden. Am Panajia-Paß (210 m) stehen noch einmal 1 - 2m mächtige, fest verbackene Lapillischichten mit geringer Korngröße an.
Sonst läßt sich auf allen Nordhängen der Kreideberge eine dünne Bestreuung mit kleinen Lapilli feststellen, die kaum auf das Plateau hinauf oder gar auf seine S-Seite hinüberreicht (vgl. Karte, Tafel I).

Der Ursprung dieser Lockermassen kann also nicht im Kammeno-VuIkan liegen, da dieser hinter den Kreidebergen liegt. Schon K, G. Fiedler (16) nahm einen, submarinen Eruptionspunkt an, und Lage und Anordnung der Tuffe schließen tatsächlich eine andere Deutung aus.

Verlegt man den Ausbruchspunkt in die Nähe der größten Schlacken, so muß er zwischen der NW-Halbinsel und den Aj. Andreas-Laven gelegen haben, und zwar näher an diese heran. Dafür sprechen auch die Schweißschlackenbänke zwischen den Stromdecken. Ein submariner Vulkanbau ist im Verlauf der Tiefenlinien nicht zu erkennen, konnte aber auch leicht zerstört werden.
5) Die Zeit des Ausbruchs wird durch die Verzahnung von Lockermassen und Stromdecken als gleichzeitig mit dem Ausfluß der Aj. Andreas-Laven bestimmt. Die Eruption von Aj. Andreas zeigt also zwei verschiedene, räumlich getrennte Äußerungen vulkanischer Kräfte zu gleicher Zeit: Subaerische Extrusion äußerst dünnflüssiger Laven aus zahlreichen Gängen und submarine Explosion mit Förderung von Lockermassen.
Das Phänomen dieses Ausbruches mit seinen zahlreichen, über ein größeres Gebiet zerstreuten Eruptionspunkten erklärt sich durch die Annahme einer größeren Magma-Intrusion im Untergrund, der bei geringer eruptiver Energie der Durchbruch zur Oberfläche in geschlossenem Schlot nicht gelang. Die Klüfte und Brüche des Kreidegebirges ließen nur kleine «Ableger» der größeren Massen aufsteigen.

Der Ausbruch von Aj. Andreas stellt also nur die geringe Oberflächenerscheinung einer im Wesentlichen in mäßiger Tiefe steckengebliebenen Eruptionsmasse dar. 
Die submarine Erhebung dicht vor der NW-Spitze von Methana kommt aus den oben genannten Gründen hierfür nicht in Frage und gehört wohl zum Sedimentsockel der Insel.

Ergänzung von Tobias Schorr: Vor etwa 10 Jahren wurde vor der Nordwestküste Methanas ein submariner Vulkan entdeckt, der noch im 17 Jahrhundert aktiv gewesen sein muß.